Arcons Tagebuch Tsa 34 Hal |
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| 3. Tsa 34 Hal |
Ich vermochte doch einen kurzen Moment einen Lichtschein am Horizont zu vermuten. War es doch eine klare Verbesserung meiner Situation, von den kargen, brennenden Holzscheiten in den kleinen Steinkreisen zu den kargen, brennenden Holzscheiten in den Kaminen, die diesem schlichten, wenn auch räumlich anständigen Gemäuer Wärme spenden. Die ach so stolze Feste zur Bollinger Heide, im Besitz des großen Barons, Rondarion Bellentor, beherberg mich nun wieder. Ich könnte nicht annähernd genug Nahrung zu mir nehmen, um sie mir dann in die andere Richtung durch den Kopf gehen zu lassen, um die Übelkeit zu befriedigen, die in mir wütet.
Mein letzter, ach so treffend formulierter Eintrag, mag nun schon die eine oder andere Stunde getrocknet sein. Kein Licht des Sonnenrunds zu erspähen und an die Ruhe, die der schwarze Gott gewährt, ist nicht zu denken. Ich kann sie vernehmen, sie alle hier. Ich höre den lautstarken Ausdruck ihrer Erheiterung. Kein behauner Fels, keine massiv beschlagene Wegblockade kann das Gelächter dämpfen. Ihr Spott und Ihr Hohn gelten mir und sie erreichen mich auch. |
| 4. Tsa 34 Hal |
Ich lausche ihnen immer noch. Als hätte ich nichts Besseres zu tun mit meiner Zeit. Zu mir genommen habe ich auch weiterhin keinen Bissen dieses grausamen Fraßes, den der Herr Baron uns hier vorsetzt. Ich weiß, dass ich mein Dasein auf dieser Scheibe nicht bis in die Unendlichkeit ausdehnen kann. Dennoch! Es wird nicht dieser verfluchte Schlangenspeichel sein, den diese armseligen Bastarde in meine Mahlzeiten mischen, der mich dahin rafft. Dann doch eher das Verlangen nach Essbarem. |
| 5. Tsa 34 Hal |
Keine Stunde halte ich es in diesen Mauern mehr aus. Sie werden sich her bemühen. Dann, wenn sie keinen Atem mehr haben, da ihre lautstarke Erheiterung ihnen schon fast die Sinne geraubt hat. Doch ich kenne dieses Gezücht. Kein Zweifel, wenn sie ihren Spaß und ihr Vergnügen hatten, werden sie kommen um das zu vollbringen, was sie noch nicht geschafft haben. Aber noch sind sie nicht auf dem Marsch. Noch bleibt mir jede Möglichkeit, jede. Wenn das erste Licht des anbrechenden Tages diesen Tempel der Falschheit erreicht, werden sie mich schon nicht mehr erspähen können. Fort werde ich sein. Lieber wieder in die fehlende Wärme da draußen, als in der trügerischen Sicherheit hier zu verweilen. |
| 7. Tsa 34 Hal |
Weit genug, fürs Erste. Jeder Moment, den ich meine Abreise hinaus gezögert habe, war reinste Verschwendung. Die Abwesenheit ihrer Stimmen ist die größte Wohltat, die mir jemals widerfahren ist. Wohin ich mein edles Schlachtross zu lenken gedenke, ist nicht von Bedeutung. Nach dieser ausgedehnten nächtlichen Rast, die ich meinem stolzen, treuen Zorn nun in meiner nahezu grenzenlosen Großmütigkeit gönne, geht es weiter. Weiter fort von diesem Pack, dem ich viel zu lange zur Seite gestanden habe. |
| 10. Tsa 34 Hal |
Ich kann nun mit Gewissheit und Gleichmut auf meinen Weg blicken. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand versucht meine Reiseroute zu ergründen oder den kläglichen Spuren, die ich hinterlassen habe, folgt, ist verschwinden gering. Abgesehen von vereinzelten, argwöhnisch Blicken anderer Reisender, kann ich die Einsamkeit meines Weges in vollen Zügen und mit wachsender Begeisterung auskosten. Selbst eben erwähnte missmutige Seelen, die meinen Weg kreuzen, stören mich nur sehr bedingt. Die meisten von denen haben weder das geistige Potenzial, noch die körperliche Stärke, mir mein Leben schwer oder gar streitig zu machen. |
| 13. Tsa 34 Hal |
Ich habe sowohl Zeit als auch die Muße, mich auf mein Training zu besinnen. Reichlich körperliche Ertüchtigung, ausgiebige Ritte und tiefe Meditation haben mir die Möglichkeit gegeben, mehr und mehr über den Frust, der wie ich leider zugeben muss, meine letzten Wochen bestimmt hat, hinweg zu kommen. Oder zumindest ein gewisses Maß an Kontrolle über mich selbst zurück zu erlangen. Einzig meine sprachlichen Schwierigkeiten sind mir in vollem Umfang erhalten geblieben. Ein Umstand, der mich, sofern er selbst es nicht verhindern würde, zu Kraftausdrücken verleiten könnte. Solche Ausdrücke scheinen die Situation oder vielleicht besser meine Gefühle zu eben jener, zu effizient zu beschreiben um sie in diesem Zusammenhang zu verwenden. |
| 16. Tsa 34 Hal |
Für minderbemittelt müssen sie mich halten. Diese elenden Kreaturen, die da dachten, sie wären im Stande mich zu überwältigen, falls ich denn von meinem edlen Reittier absteigen würde. Nur weil es die Straße eines edlen Reiches ist, auf der ich mich bewegt habe, dachten sie wohl, ich würde in meiner Aufmerksamkeit nachlassen. Als ob ich davon zu überzeugen wäre, dass es der Zufall oder die Willkür der Götter war, die diesem Rattengezücht ausgerechnet auf meinem Weg einen Achsbruch beschert hatte. Scheine ich tatsächlich von solcher Einfältigkeit beseelt zu sein? Wohl kaum! Auch diese verlogenen, falschen Tränen dieser Hure mit der Asche in ihrem Haupthaar, die wohl fortgeschrittenes Alter vortäuschen sollte, konnten mich nicht hinter das Licht oder gar in die Irre führen. Ich habe dieses Schauspiel, auch wenn es auf Grund der miserablen Leistung kaum dieses Wortes gerecht wird, sofort durchblickt. Sollen sie doch im Straßengraben mit ihrem Wagen verrotten. Ich setzte meinen edlen und freien Weg ungehindert fort.
Nun da ich auch dieser heimtückischen List entgehen konnte, erstreckt sich mein Weg weiter vor mir in die einzige Richtung, die mir geblieben ist um Klarheit zu finden. Ich muss an jene Orte meiner Jugend zurück, die mir wichtig, waren um meinen Blick zu reinigen. Zu reinigen von jenen elenden Ablenkungen, die mir von jenen, die behaupteten mit mir im Bunde zu stehen, vorgesetzt wurden. |
| 18. Tsa 34 Hal |
Alles eine Frage des Willens. Wenn der Geist die Überzeugung besitzt muss der Körper sie nur noch vermitteln. Es versteht sich von selbst, dass es nur von Vorteil sein kann, wenn der zuvor erwähnte Körper von dem Körper eines massiven, gut genährten und nicht zuletzt galoppierenden Schlachtrosses, beim Versuch Willen zu vermitteln, unterstütz wird. Deshalb gestaltet es sich bei einer Person von meiner Willensstärke recht angenehm, zu reisen selbst wenn die eingeschlagene Route nicht zwingend abgeschieden und unbenutzt ist. Das Gesocks, welches sich auf gemacht hatte, um mir den Tag zu erschweren, erkennt meinen Willen in den meisten Fällen schon von weitem, überdenkt diese ohnehin fragwürdige Entscheidung und weicht mir dann mehr oder minder großräumig aus. Eine wahre Wohltat, die das Vorankommen um etliches erleichtert und beschleunigt. |
| 23. Tsa 34 Hal |
Mich beschleicht Ernüchterung. Mein ach so stolzes Ross erweist sich doch mehr und mehr als Enttäuschung. Meine Abreise aus der Bollinger Heide liegt doch erst wenige Untergänge der Praiosscheibe zurück. Zugegeben bin ich mit der zurück gelegten Distanz nicht direkt unzufrieden und auch der Ritt selbst war die meisten Tage recht ansprechend. Doch nun, obwohl ich bereits seit Tagen schon bei Sonnenuntergang ein Lager aufschlage und Zorn alle Zeit zur Rast gebe, während ich mich meiner körperlichen Verfassung widme und wie sich von selbst versteht, auch einige Stunden, ja fast sogar bis zum erneuten Erscheinen der Scheibe über uns, ruhe, lässt das einst so edle Tier doch ein wenig an Elan und Ausdauer vermissen. Nun, ich will es ihm zu dieser Zeit nicht verdenken. Ein Reittier kann wohl, genauso wenig wie sonst jemand, immer in der bestmöglichen Verfassung sein. Ja selbst mir hätte man an dem einen oder anderen Tag eine etwas schlechtere Verfassung nachsagen können. Wie sonst, wenn nicht zu solchen Anlässen, wäre es Rondarion möglich gewesen, einen Wettkampf zu gewinnen, zu dem auch meine Wenigkeit sich aufgerafft hatte.
Darüber hinaus ist Eslamsgrund nicht mehr all zu weit entfernt und dort sollte sich ja doch eine Gelegenheit finden, dem guten alten Zorn wieder zu gewohnter Kraft und Motivation zu verhelfen. |
| 27. Tsa 34 Hal |
So fern ich in meinen Tagen einst die Wärme eines bestimmten Ortes vermisst haben sollte, einst einen Ort mein Heim genannt haben sollte, so war es wohl nicht diese Rundmauer, aufgefüllt mit Abfall und ausgestattet mit dem Recht sich Stadt zu nennen. Ich weiß nicht, was der Lohn des Mannes war, der dieses Recht dereinst an diesen Ort vergeben hatte, doch ich hätte ihm dafür eine lebenslange Haftstrafe zugedacht. Zu mindest konnte mein zuverlässiger Zorn hier in Eslamsgrund ein Domizil beziehen und auch ich habe ein Dach über meinem edlen Haupt. Mein Lager ein Bett zu nennen, wäre zu viel des Guten. Und auch von einem Einzellzimmer zu sprechen, war eine gewagte Handlung des Wirts. Aber niemand soll sagen können, Arcon Sudin wäre nicht genügsam, wenn es die Zeiten verlangen. |
| 29. Tsa 34 Hal |
Mein Blick fällt aus dem unförmigen Loch in der Wand, welches wohl einst einem Fenster ähneln sollte und ich sehe und rieche den nächsten Tag heran nahen. Noch hat die feurige Scheibe das Firmament nicht erreicht, doch sie wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Zwar bin ich inzwischen wieder in dem Zimmer, welches ich gemietet habe, doch ich habe mein Auge noch nicht zum Schlafe geschlossen, denn ich hatte in dieser Nacht andere Dinge, denen ich mich widmen konnte. Als ich des Abends durch die staubigen Straßen wandelte, führten mich meine Schritte scheinbar in die Nähe der alten Absteige, in der ich früher einige Zeit verbracht hatte. Auch wenn nicht mehr viel von dem Gebäude daran erinnern konnte, so hing da doch das Täfelchen mit der Aufschrift "zum Grünen Baum". Eine Farbe, die ehemals vielleicht tatsächlich einem grün geähnelt haben dürfte, blätterte von den maroden Wänden ab. Für viel überraschender befand ich die Reaktion der Mitleid erregenden Dame, die mich von der Tür aus erblickte. Sie stolperte auf mich zu und pries meine Rückkehr und schloss mich in ihre Arme. Erst nachdem ich sie von mir in den Staub gestoßen hatte, erkannte ich sie. Es handelte sich um niemand anderen als Alina. In der Zeit meiner Ausbildung in der Akademie, unweit dieser überbewerteten Ortschaft, verband diese Frau und mich eine gewisse Anziehungskraft. Schon bald nachdem ich die Schulde der Kriegskunst verlassen hatte, wurde mir klar, dass dieses Verlangen weit körperlicher war, als ich zuvor gedacht hätte und wie ich schon zu vor zu vermuten wagte, gehört diese Erkenntnis zu den Dingen, die ich eben erwähnter Alina voraushabe.
Ich ließ mich nicht dazu herab viele Worte an sie zu richten. Eine einfache Frau wie sie wäre vermutlich ohnehin mit der Art, in der ich mich zu dieser Zeit ausdrücken muss, überfordert gewesen. Sie dagegen redete so lange auf mich ein, bis ich mich dazu bereit zeigte, in die ehemals recht angenehme Schenke zu treten und dort zu verweilen. Sie ging noch einige Zeit ihrer Arbeit nach, während ich die Getränke zu mir nahm, welche sie mir auf Kosten des Hauses auftischte. Nachdem dann die anderen Gäste den Abend für beendet befanden und sich wohl in ihre mit Wanzen verseuchten Betten aufmachten, hatte ich wieder das zweifelhafte Vergnügen, die volle Aufmerksamkeit von Alina mein Eigen nennen zu dürfen. Sie setzte mich darüber in Kenntnis, dass es die Zeit nicht gut mit ihr gemeint hatte. Was ihr Aussehen betraf, war dies eine Information die durchaus schon zuvor einen Platz in meinem Geist gefunden hatte. Ich habe mich nicht durch herausragende Aufmerksamkeit in diesem Gespräch ausgezeichnet, doch es gab einige Dinge, welche ich tatsächlich zur Kenntnis genommen habe. So zum Beispiel den vermutlich tragischen, wenn auch für mich völlig belanglosen Tod des früheren Besitzers des Wirtshauses, in dem ich mich befand. Für meine Gesprächspartnerin hatte dies vermutlich mehr Bedeutung, da es sich bei diesem Mann ja um jenen Herrn handelte, den sie, so weit ich es beurteilen kann zu Recht, Vater nannte. Sie hatte also einen gastronomischen Betrieb geerbt. Einen Betrieb, den sie allerdings binnen kurzer Zeit wirtschaftlich zu Grunde gerichtet hatte und ihn zur Veräußerung anbieten musste. Der neue Inhaber stellte sich wohl auch nicht als großartiger Wirt heraus. Zumindest wage ich dies zu vermuten, wenn ich daran denke, wie ich meinen Blick durch die Räumlichkeiten schweifen lies. Immerhin hatte dieser neue Besitzer die Großzügigkeit besessen, Alina die Stelle als Schankmaid zu belassen. Wieder eine Entscheidung, die meinen Verdacht erhärtet, denn ich hoffe doch, dass Eslamsgrund einige jüngere und hübschere Damen zur bieten hat, die ihr Geld mit dem tragen von Getränken verdienen könnten. Alina sprach über noch einige Dinge. Darunter waren auch mehrmals Ausdrücke der Freude über mein Erscheinen an diesem trostlosen Ort. Ich sehe mich nicht im Stande zu bestimmen, an welcher Stelle mich Alina inhaltlich endgütig verlor, doch ich lies sie einfach einige Zeit reden. Als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, versiegte der Strom von Worten aus ihrem Mund dann doch. Ich befand es für eine gute Idee, ihrem Mund einer anderen Betätigung zu bieten, nur um sicher zu gehen, dass der Strom von Worten nicht wieder anschwoll. Ich drückte meine Lippen also auf die ihren und wenn ich ihre Reaktion nicht völlig falsch deutete, war dies durchaus eine Idee, der sie etwas Positives abgewinnen konnte. Kurze Zeit später befanden wir uns in ihrem etwas jämmerlichen Domizil. Zunächst hatte ich ja noch die geringe Hoffnung, es würde an Komfort und Gemütlichkeit den Heuboden aus unserer Jugend übertreffen, doch als ich dann dort eintraf, drängte sich mir der Verdacht auf, dass nicht nur meine Hoffnung zu Nichte gemacht wurde, sondern ich mich auch nach der Sauberkeit des Heubodens sehnen würde. Zugegeben mag es etwas unpassend sein, bei einem Heuboden von Sauberkeit zu reden, aber die Zustände auf den wenigen Heuböden, die mir bekannt sind, waren zumindest eher mit Sauberkeit zu vergleichen, als die Zustände in Alinas Raum. Aber ich muss zugeben etwas Glück in diesem Unglück vorgefunden zu haben, denn ich bekam nicht viel Gelegenheit mich mit der Inneneinrichtung und deren Zustand zu beschäftigen. Alina schien zu Anfang sehr bemüht, mir die Nacht so angenehm wie möglich zu gestalten. Es mag an meiner zuletzt doch einsamen Reise gelegen haben, doch nach Kurzem übermannte mich tatsächlich die Leidenschaft. Was danach passierte ist ein wenig verschwommen in meinem Bewusstsein, doch es wäre vermutlich ohnehin nicht meine Intention gewesen, hier weitere detaillierte Berichte des Geschehenen nieder zu schreiben. Zu guter Letzt nach einer, wie ich sagen muss, doch recht langen und ereignisreichen Nacht, übermannte Alina dann der Schlaf und ich konnte mich, ohne Aufsehen zu erregen, aus dem Zimmer und dem Haus davon machen. So weit ich es beurteilen kann, wird der inzwischen angebrochene Tag für mich nicht allzu ereignisreich. Die einzige Entscheidung, die mich zurzeit tatsächlich bewegt, ist jene, ob ich noch ein Frühstück zu mir nehme, bevor ich den Tag dem Schlaf widme oder ob ich mich gleich in Borons Arme begebe. |
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