Arcons Tagebuch
Boron 34 Hal
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Der folgende Text enthält Informationen aus einem offiziellen Abenteuer. In diesem Fall "Bis auf die Knochen" aus "AB107". Die Informationen reichen weder als Vorlage um das Abenteuer zu meistern, noch als Komplettlösung für Spieler. Dennoch rate ich davon ab diesen Teil des Tagebuchs zu lesen, wenn man als Spieler eben jenes Abenteuer noch vor sich hat.
Pergament oben
1. Boron 34 Hal Gestern Nacht gab es nur ein Motto: Wenn es schlimmer werden kann, dann kommt es auch schlimmer. Ich habe nicht vor vielen Dingen Angst. Eine Armee von Untoten gehört aber definitiv dazu. Unter dem Gesichtspunkt, dass ich auch körperlich einige Probleme hatte, hätte ich die ganze Nacht vermutlich in irgendeiner Ecke verbracht und wie ein Kleinkind geheult. Elcarna und seiner Magie ist es zu verdanken, dass ich in dieser Nacht überhaupt etwas machen konnte. So habe ich also gemeinsam mit den anderen die letzte Nacht dazu genutzt, um das Nachleben zahlloser Kreaturen endgültig zu beenden. Als das endlich geschafft war und wir dachten, es könnte nicht mehr schlimmer werden, mussten wir uns mit noch größeren Problemen befassen. Torjin, Fenia und ich haben ihn gesehen. Den schwarzen Drachen, den untoten Totenbeschwörer. Wir drei wurden nun von fünf weiteren Männern begleitet. Fenia, Torjin, der Marschall von Greifenfurt und ich kamen knapp mit dem Leben davon. Die anderen vier Männer bezahlten ihren Mut mit dem Leben. Der Drache stellte sich nicht einmal zum Kampf. Als würde er mit uns spielen, zog er wenige Male über uns hinweg, fegte uns mit gewaltigen Windstößen bei Seite und nahm sich, was er wollte. Kurz bevor ich einige Schritte durch die Luft geschleudert wurde und das Bewusstsein verlor, glaubte ich ihn mit meinem Rondrakamm getroffen zu haben. Einen wirklichen Effekt wage ich diesem Schlag aber nicht zu unterstellen.
Nicht zuletzt Dank unserer Hilfe konnte heute der Leichnam von Brin von Gareth im Tal der Kaiser beigesetzt werden. Der ehemalige Reichsbehüter, der kurz vor der Schlacht an der Trollpforte feig ermordet wurde, hat nun endlich seine letzte Ruhestätte erreicht. Wir alle durften der Zeremonie beiwohnen. Es war eine große Ehre für uns. Saya hatte jedoch ihre Schwierigkeiten mit der Zeremonie. Es war recht schwer ihr klarzumachen, warum man einen so berühmten Herrscher nicht auf sein Schiff brachte und ihn dort mitsamt dem Schiff verbrannte. Wie gesagt, wir durften den gesamten Feierlichkeiten beiwohnen, auch wenn wir angehalten waren uns ruhig zu verhalten.
Wir sind nun eingeladen worden am 8. Tag des Boronmondes in Gareth zu erscheinen, um für unsere Taten angemessen geehrt zu werden, was immer das heißen mag.
4. Boron 34 Hal Rondarion und ich wollten die Gelegenheit nutzen unsere Akademie zu besuchen. Wenn wir schon so nahe an Eslamsgrund sind, könnten wir auch gleich unseren alten Lehrmeistern einen Besuch abstatten. Inzwischen haben wir uns aber dagegen entschieden. Einerseits sind wir weder in der geistigen, noch in der körperlichen Verfassung, um unseren Lehrmeistern zu beweisen wie gut wir geworden sind. Andererseits sollen wir in wenigen Tagen ausgezeichnet werden. Eine Auszeichnung, die unserem Ansehen in der Akademie durchaus zuträglich sein wird. So haben wir beschlossen, demnächst mit unserer Auszeichnung zurückzukehren. Wir hoffen auf eine gute Gelegenheit im nächsten Frühjahr. Morgen werden wir uns wieder auf den Weg nach Gareth machen.
8. Boron 34 Hal Heute war ein großer Tag für mich. Natürlich nicht nur für mich, sondern auch für die anderen. Seit heute sind wir offiziell Ehrenritter des Hauses Gareth. Ein Titel, auf den ich äußerst stolz bin. Leider gehört kein Orden zu diesem Ehrentitel. Es wäre schön gewesen einen weiteren für meine Sammlung zu haben. Die Zeremonie war zwar nicht so pompös wie ich mir ein solches Ereignis in meiner Jugend vorgestellt hatte, aber sie war gut besucht. Zahlreiche Mitglieder der kaiserlichen Familie waren anwesend. Es waren auch einige Adelige aus dem Umland hier und natürlich zahlreiche Männer und Frauen vom kaiserlichen Hofe. Es waren auch Stover und Emmeran Stoerrebrandt zu Gast. Der alte Stover wollte wohl nicht die Ehrung seines Neffen verpassen. Darüber hinaus musste er einigen Leuten voller Stolz erzählen, dass wir kürzlich für ihn gearbeitet hatten. Zum Glück konnte Torjin ihn nach einiger Zeit davon abhalten diese Geschichte breit zu treten. Irgendwie klang der alte Stover so als wären wir Söldner. Ein Unterton der mir nicht gefiel.
Ich bin kein Söldner und ich war auch nie einer. Wenn Menschen mir dankbar sind und mir deshalb etwas geben, selbst wenn es Geld ist, und ich das annehme, dann heißt das nicht ich sei ein Söldner. Ein Söldner arbeitet nur für eine Gegenleistung und es geht ihm auch mehr um die Gegenleistung als um die Arbeit.
Weil ich gerade von Belohnungen rede. Mit dem Titel ist auch eine Belohnung verbunden. Jeder von uns erhält nun Zeit Lebens eine Leibrente von 100 Dukaten im Jahr. Wir bekommen diese Summe zwar erst in einem Jahr ausbezahlt, aber damit kann ich leben. 100 Dukaten reichen im Moment ohnehin kaum, um meine Ausgaben zu decken. Mein Bedarf an Heiltränken und Rüstungsreparaturen ist zu groß. Darüber hinaus kommen auch die zahlreichen Spenden der letzten Zeit dazu, die meine Geldkatze leichter und leichter machen. Aber eines Tages, wenn ich endlich dazu bereit bin sesshaft zu werden, wird dieses Geld mir viele Sorgen ersparen. Vater wäre heute, glaube ich, sehr stolz auf mich gewesen.
10. Boron 34 Hal Nachdem wir noch zwei Nächte die Gastfreundschaft des Hauses Gareth genießen durften, sind wir nun endgültig auf dem Weg in die Bollinger Heide. Vermutlich werden wir dort auch unser Winterquartier aufschlagen. Rondarions Kind müsste inzwischen auch schon das Licht der Welt erblickt haben. Torjin hat schon ein Geschenk eingekauft, aber er will mir nicht erzählen was es ist. Fenia hat sich auch nach etwas Passendem umgesehen, aber ich weiß nicht ob sie schon was gefunden hat.
Insgeheim überlege ich, ob ich gar nicht mit nach Weiden komme. Ich würde schon gerne nach Thorwal reisen. Ich vermisse Hjalga und Swafnild. Ich fürchte aber, dass ich es nicht vor dem Wintereinbruch schaffen würde. Noch sind die Straßen frei, aber es wird nicht mehr lange bis zum ersten Schnee dauern. Ich kann mir Schöneres vorstellen als mitten in der Andergaster Wildnis eingeschneit zu werden. Das Land Andergast ist ohnehin nicht besonders reisefreundlich und dort dann alleine fest zu sitzen, steht nicht auf meiner Wunschliste für die kalte Jahreszeit.
15. Boron 34 Hal Es wird jeden Tag kälter, nicht nur weil wir immer weiter nach Norden reisen. Dennoch ist es für diese Jahreszeit recht angenehm. Wir kommen ganz gut voran. Unsere Reise verläuft recht ruhig. Eigentlich unterhalten sich nur Fenia und Torjin wirklich viel im Moment. Torjin bringt Fenia bei, was sie über Armbrüste wissen muss und dabei hat er ununterbrochen was zu erzählen. Rondarion ist sehr ruhig im Moment und trainiert auch kaum noch. Ich glaube, er ist nervös wegen seinem Kind. Zum einen wohl weil er sein Kind zum ersten Mal sehen wird und zum anderen, weil er anscheinend Aralea versprochen hat er wird bei der Geburt bei ihr sein. Tja, da ist er vermutlich rund zwei Monde zu spät. Elcarna und Landor haben auch anscheinend nicht viel zu erzählen. Sie machen zwar nicht den Eindruck als wären sie irgendwie bedrückt, aber dennoch sind sie recht schweigsam. Saya trainiert zwar mit mir, aber dabei spricht sie recht wenig. Das Training ist schwer für sie. Ich kann sie nicht gut unterrichten, da Äxte nicht unbedingt die Waffen sind mit denen ich gut umgehen kann. Ich glaube aber nicht, dass das der Grund für ihre düstere Stimmung ist. Ich nehme an sie hat einfach Heimweh. Sie war noch niemals auch nur annähernd so lange von Zuhause weg.
19. Boron 34 Hal Wenn ich bedenke mit wie viel Aufregung dieser Mond für uns begonnen hat, überrascht es mich positiv wie ruhig unsere Reise nun verläuft. Selbst das Wetter legt unserer Reise keine großen Steine in den Weg. Inzwischen ist auch die Stimmung nicht mehr so unterkühlt wie am Anfang unserer Reise. Die Blicke, die Fenia dem guten Torjin zuwirft, wenn er sie belehren will, haben einen Unterhaltungswert für alle Zuseher. Dennoch macht sie gewisse Fortschritte. Saya legt zwar mehr Enthusiasmus an den Tag, leider lernt sie aber deswegen nicht besser. Im Gegenteil, ich bin wohl nicht der beste Lehrer für sie. Ich kann mich nur bedingt auf ihre körperlichen Voraussetzungen eingehen und sie hat weder die Größe noch die Kraft meinen Stil anzunehmen. Darüber hinaus ist sie meistens unkonzentriert. Wenn ihr etwas gelingt fängt sie schnell an daran zu denken wie stolz ihre Familie sein wird. Ab diesem Moment schlägt dann ihr Heimweh wieder durch und mit der Lektion geht es erst am nächsten Abend weiter.
Aber in ein paar Tagen werden wir auf der Bollinger Heide sein. Dann haben wir Zeit und ein paar Helfer. Vielleicht geht es dann schneller voran.
23. Boron 34 Hal Nun wir sind auf Rondarions Baronie. Die gute Nachricht ist, dass Rondarion nicht nur ein Kind sondern zwei hat. Aralea hat Zwillingen das Leben geschenkt. Die schlechte Nachricht ist, dass die Kleinen entführt wurden. Die ganze Baronie wird gerade nach Spuren durchkämmt. Wir können nur hier sitzen und warten.
Die Entführung ist zwei Tage her. Es dürfte nur ein Entführer gewesen sein, doch seine Kräfte waren außergewöhnlich. Fünf von Rondarions Männern haben ihr Leben gelassen. Darunter auch der erste Ritter der Baronie. Arsol, jener tapfere Krieger gegen den ich in Thorwal im Turnier angetreten bin. Nach dem was wir gehört haben und nach seinen Verletzungen zu urteilen, hatte er keine Chance. Auch einige weitere Soldaten der Burg wurden verletzt. Der Rest der Truppe ist gemeinsam mit allen Zivilisten, die in der Lage dazu sind, auf der Suche nach den Kindern. Jeder, der hier in Rondarions kleinem Reich lebt, hilft so gut er kann. Die Anteilnahme am Schicksal des Barons und seiner Familie ist überwältigend. Rondarion ist nur im Moment überhaupt nicht in der Lage das zu würdigen. Nichts geht ihm schnell genug, niemand kann es ihm recht machen. Ich habe Verständnis für seine Reaktion, auch die anderen sehen es ihm nach, dass er vor Wut kocht. Ob die Bevölkerung hier auch so viel Verständnis aufbringt, wird sich zeigen.
24. Boron 34 Hal Alle sind schwer gereizt. Wir wissen, es gibt jemanden, den wir bekämpfen müssen, aber wir können nur hier sitzen und nichts tun. Ich versuche ruhig zu bleiben und mich zu beschäftigen. Der Erfolg ist mäßig. Mein Rondrakamm war aber seit Wochen nicht mehr so gut geschliffen.
27. Boron 34 Hal Wir haben die Kinder gefunden. Wir wissen aber nicht, was mit ihnen los ist. Sie wirken nur etwas lebendiger als Statuen, völlig unbeweglich aber scheinbar am Leben. Wir können nur hoffen, dass die Verstärkung der Herzogin, um die Rondarion ersucht hat, bald hier ist und einen fähigen Magier dabei hat.
Die Kinder zu finden war schwer. Wir sind zuerst einem Hinweis nachgegangen, der uns ans Ostende der Baronie geschickt hat. Der Hinweis stellte sich aber als relativ Nutzlos heraus. Die Kinder fanden wir letztlich in dem Waldstück im Westen der Bollinger Heide. Einer der Suchtrupps wurde dort überfallen. Einzig der Bote des Trupps überlebte, da er zum Zeitpunkt des Kampfes nicht bei seinen Leuten war. Er erstattete gerade in der Burg Meldung. In der Nähe des Kampfplatzes fanden wir drei verlassene Hütten. Zumindest hätten sie verlassen sein sollen. Einige Leute waren aber dort. Am Besten beschreibt man solche Gestalten wohl mit dem Wort Kultisten. Wir nahmen uns aber nicht die Zeit zu fragen, welchem Kult sie huldigten. Rondarion, Aralea und ich stürmten die Hütten. Obwohl die Geburt der Zwillinge erst zwei Monde zurück lag, hatte Aralea es sich nicht nehmen lassen uns in diesem Kampf zu begleiten. Als wir gerade den Feind angriffen, wurde die Lichtung plötzlich zu einem Kessel. Eine Felswand erschien und trennte uns drei von Torjin und den anderen. Wie ich später erfuhr war dies vermutlich eine von Landors Illusionen. Seine letzte, wie ich anmerken möchte. Torjin, der sich verraten fühlte, streckte Landor mit einem Bolzen zu Boden.
Nachdem wir die Hütten und die darunter befindliche Höhle befriedet hatten, kamen wir in eine Ritualhöhle, wo wir die Kinder und einige weitere Menschen fanden. Wie die Kinder waren auch die Menschen in diesem merkwürdigen Starrezustand. Alle schienen für ein Ritual bereit zu stehen. Bereitet dürfte es ein Elf haben. Den trafen wir nämlich auch noch. Torjin traf ihn mit einem seiner verzauberten Bolzen. Rondarion brachte ihm einen Treffer bei, der ihn hätte zerteilen müssen und ich konnte ihm einen Schlag aus dem vollen Lauf versetzen, den selbst ein Bär in einer Gestechsrüstung nicht überstanden hätte. Jeder der drei Treffer hätte ihn töten müssen. Dennoch entkam der Elf. Er rannte als hätten wir ihn nicht einmal gekratzt. Den Beschreibungen der Entführung nach zu urteilen, war er es, der die Kinder geholt hatte und nun wundert mich auch nicht mehr, warum Arsol ihm unterlegen war. Kein anderer Kultist kam mit dem Leben davon.
Wer ebenfalls sein Leben verlor, war Landor. Nachdem wir die Kinder geborgen hatten, kehrten wir zu ihm zurück. Er war dem Tod näher als dem Leben. Rondarion glaubte an ein Missverständnis und wollte ihn retten. Doch Rondarion hatte all seine Heiltränke für Aralea verbraucht. Elcarna war selbst schwer angeschlagen und nicht in der Verfassung ihn zu heilen. Fenia sträubte sich dagegen ihm zu helfen. Sie hatte ihm schon am Anfang des Monats das Leben gerettet und er hatte es nicht einmal fertig gebracht danke zu sagen. Fenia kann offenbar sehr nachtragend bei so etwas sein. Torjin war ohnehin überzeugt, dass es sich um einen Verrat handelte und ich war auch nicht Willens ihn zu retten. Selbst wenn er uns nicht in den Rücken fallen wollte, so hat er unser aller Leben, und das Leben von Rondarions Kindern mit seiner Felswand gefährdet. Wenn das ein einmaliges Erlebnis gewesen wäre, hätte ich darüber wohl noch hinweg gesehen. Doch zahlreiche von Landors Zauber haben uns überrascht und selten waren diese Überraschungen positiver Art. Da wir ihn nicht so liegenlassen konnten, habe ich seinem Leiden ein Ende gesetzt.
29. Boron 34 Hal Die Gesandten der Herzogin sind da und es ist tatsächlich ein Magier unter ihnen. Er kann den Kindern nicht helfen, aber er hat inzwischen eine Antwort auf die Frage gefunden was ihnen zugestoßen war. Er hat nun nach einem seiner Kollegen geschickt. Dieser sollte mit solcher Magie mehr Erfahrung haben. Vermutlich können aber alle, die Opfer dieses Fluches wurden, geheilt werden. Es wird zwar einige fähige Magier brauchen, aber zumindest gibt es einen Weg.
Damit legt sich nun auch die allgemeine Anspannung. Ich hoffe nun auf einen erholsamen Winter in den Mauern der Burg. Ich denke, wir können die Ruhe brauchen. Angesichts der Tatsache, dass sich der untote Wurm in diesem Mond weit in die freien Lande des neuen Reiches gewagt hat, steht uns eine schwere Zeit bevor. Ich kann nur hoffen, dass der Schnee schmilzt, bevor sich meine Befürchtungen bestätigen.
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Simon Ross (c), 2007 - 2012
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